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Die Griechische Gemeinde e.V. als Träger: Geschichte - Ehrungen – Projekte

Die Griechische Gemeinde Castrop-Rauxel e.V. wurde als Verein im Jahr 1982 mit dem Ziel gegründet, den hier lebenden Griechinnen und Griechen die Möglichkeit zu bieten, ihre Kultur und ihren Glauben auszuüben, aber auch ein Stück menschlichen Halt, Verbundenheit und Solidarität zu praktizieren. Die Gründungsversammlung fand am 17. November 1982 statt.

Im Jahr 1983 übernahm Spyros Papaspyrou das Amt des ersten Vorsitzenden der Griechischen Gemeinde e.V.. Im gleichen Jahr begann Lioba Schulte mit der Sozialberatung für griechische Arbeitnehmer und ihre Familien in Castrop-Rauxel, zunächst in den Räumen verschiedener Kirchengemeinden. Zu ihrem Einzugsgebiet gehörten die Städte Bottrop, Gelsenkirchen und Castrop-Rauxel. Zudem gehörte sie dem Vorstand des von ihr mitbegründeten Jugendgemeinschaftswerks (JGW) Ruhr e.V. an, das seinen Sitz in der Kaue der ehemaligen Zeche Wilhelmine Victoria in Gelsenkirchen hatte.

Im Jahr 1985 erfolgte der Einzug der Griechischen Gemeinde e.V. und der Sozialberatung für griechische Arbeitnehmer und ihre Familien in das neue „Griechenzentrum“ in der ehemaligen Zeche Ickern I/II. Mit Datum vom 16.09. / 03.10.1985 wurde ein Mietvertrag über die Liegenschaft Zeche Ickern I/II abgeschlossen. Vertragsparteien waren die Ruhrkohle Aktiengesellschaft (RAG) in Essen als Vermieterin und das Jugendgemeinschaftswerk Ruhr e.V. Gelsenkirchen als Mieter. Im Jahr 1986 erwarb die Landesentwicklungsgesellschaft NRW (LEG) das Zechengelände von der RAG. In diesem Jahr wurde erstmals ein griechisch-orthodoxer Gottesdienst mit dem griechisch-orthodoxen Pfarrer Tilemachos Margaritis in den neuen Räumlichkeiten durchgeführt.

Der bestehende Mietvertrag wurde nach dem Eigentümerwechsel der Liegenschaft zur Landesentwicklungsgesellschaft NRW mit Datum vom 31. März 1987 von der neuen Eigentümerin übernommen. Im gleichen Zuge trat der Gemeindedienst für Diakonie, Griechische Beratungsstelle Bottrop, an Stelle des JGW Ruhr e.V. als Mieterin in den Mietvertrag ein. Mit finanzieller Unterstützung des evangelischen Kirchenkreises Herne, der RAG, der LEG und der Stadt Castrop-Rauxel wurden die Gebäude in den folgenden Jahren durch die Griechische Gemeinde e.V. und die Sozialberatungsstelle renoviert und modernisiert.

Auf Drängen des Diakonischen Werkes Westfalen/Münster sowie der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche von Westfalen begannen Verhandlungen bezüglich einer Übernahme des Kulturzentrums Zeche Ickern I/II durch das Sozialpfarramt des Kirchenkreises Herne.

Zum 01. Juni 1991 übernahm der Kirchenkreis Herne das Internationale Kultur- und Begegnungszentrum Zeche Ickern I/II, das dem Sozialpfarramt unter Leitung von Pfarrer Jürgen Klute zugeordnet wurde. Es erfolgte eine Entlassung der Flächen aus der Bergaufsicht und die Erschließung der Brache Ickern I/II durch die Stadt Castrop-Rauxel als Gewerbegebiet. Nachdem die Erschließung beendet war, begann die Stadt Castrop-Rauxel mit der Schließung der Lücke hinter dem alten Zechentor. In diesem Zusammenhang entstand die Idee, die Halde so aufzufüllen, dass sie zu einem Amphitheater ausgebaut werden kann. Da Mittel fehlten, schlugen Verantwortliche der Stadt vor, die Halde zunächst nur bogenförmig aufzufüllen. Auf diese Weise wurde die Option auf den Bau eines Amphitheaters zu einem späteren Zeitpunkt offengehalten.

Im Jahr 1993 wurde der griechische Seniorentreff KAPI eingerichtet. Ebenso begann die Bougatsa-Werkstatt, eine Beschäftigungsinitiative bei der griechische Frauen zu Beiköchinnen qualifiziert werden, ein „NOW“-Projekt über Mittel der Europäischen Union in Kooperation mit Partnern aus Griechenland, Spanien und Italien durchzuführen. Mit diesem Projekt verbunden war eine Reise der Frauen nach Griechenland, bei der Erfahrungen mit dortigen Projektteilnehmerinnen ausgetauscht wurden.

Am 16. Juli 1994 wurde ein Brandanschlag auf die Zeche Ickern I/II verübt, der Schäden im Wert von über 300.000 DM an dem Gebäude verursachte, wobei die Schäden komplett über Leistungen der Versicherungen beglichen werden konnten.

Da die LEG aufgrund ihrer Aufgabenstellung als landeseigenes Unternehmen nur für befristete Zeit Eigentümerin von Liegenschaften sein durfte, musste für die Liegenschaft Zeche Ickern I/II zum Herbst 1995 ein neuer Eigentümer gefunden werden. Nach mehrjährigen Verhandlungen und Beratungen einigten sich die beteiligten Parteien darauf, dass die Griechische Gemeinde e.V. zum  01. Dezember 1995 neue Eigentümerin der Liegenschaft wurde. Da die Griechische Gemeinde nur über begrenzte finanzielle Mittel verfügte, beschloss der Kirchenkreis Herne im Gegenzug, den Ankauf der Liegenschaft durch einen entsprechenden, zunächst auf zehn Jahre befristeten Mietvertrag und entsprechende Mietzahlungen zu refinanzieren.

Im Jahr 1997 beteiligte sich die Griechische Gemeinde e.V. an dem Initiativaufruf der Internationalen Bauausstellung Emscherpark (IBA), mit einem durch ein Kölner Architekturbüro erarbeiteten Plan zum Bau eines Amphitheaters und Kulturcafes. Die IBA gab ein positives Votum ab, vergab aber selbst keine Finanzmittel. Das positive Votum der IBA erleichterte jedoch den Zugang zu entsprechenden Förderprogrammen des Landes NRW. Um eine Beschäftigungsinitiative im Rahmen des IBA-Projekts durchzuführen erfolgten so erste Gespräche mit dem Kolpingbildungswerk Witten-Wetter im Diözesanverband Paderborn. Ergebnis dieser Gespräche war letztendlich die Installierung einer zwölfmonatigen ABM-Qualifizierungsmaßnahme in Trägerschaft des Kolpingbildungswerks zum 01.März 1999, wodurch die Vorarbeiten zum Bau eines Amphitheaters beginnen konnten.

Im November 1998 erfolgte die Gründung der interkulturellen Theatergruppe „Odysseus Schwestern“ und die Einstellung einer Theaterpädagogin über Projektmittel des Landes NRW. Träger des Theaterprojekts war die Griechische Gemeinde e.V.. Es entstand das Theaterstück „Damals waren wir die Fremden…“, das am 27. November 1999 erstmals im Kulturzentrum aufgeführt, und im folgenden an mehreren Orten in Deutschland präsentiert wurde.

Ein Projekt „Arbeit statt Sozialhilfe“ zur Vermittlung arbeitsloser Sozialhilfeempfänger über das Landesprogramm NRW wurde in Trägerschaft der Griechischen Gemeinde e.V. ab dem 01.12.1999 für die Dauer von zwölf Monaten durchgeführt. Die fachpraktische Qualifizierung erfolgte durch den  Bau des Amphitheaters und des Kulturcafes. Insgesamt bestand über 70% des Teilnehmerfelds dieser Maßnahme aus russlanddeutschen Spätaussiedlern, die mit der besten Vermittlungsquote des Kreises Recklinghausen zum Großteil erfolgreich auf den Ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden konnten.

Stadtentwicklungsprojekte

Im April 2000 erhielt das Kulturzentrum vom Ministerium für Arbeit, Soziales und Stadtentwicklung, Kultur und Sport des Landes NRW für „den Bau eines Amphitheaters und Kulturcafes auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Ickern ½“ die Auszeichnung „für einen vorbildlichen Beitrag zur nachhaltigen Stadtentwicklung“.

Stadtentwicklungsprojekte
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Die intergenerative Frauentheatergruppe „Odysseus Schwestern” gewann beim Geschichtswettbewerb „Kein Thema. Bild und Gestalt des Ruhrgebiets“ des „Forums Geschichtskultur an Rhein und Emscher“ im Oktober 2000 einen zweiten Preis für das Theaterstück „Damals waren wir die Fremden“ (Historama-Wettbewerb).

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Aufgrund der guten Erfahrungen bei der Zusammenarbeit mit Russlanddeutschen bei der Durchführung der o.g. Maßnahme „Arbeit statt Sozialhilfe“ entstand die Idee zur Durchführung eines gemeinwesenorientierten Integrationsprojekts für Spätaussiedler. In Trägerschaft der Griechischen Gemeinde e.V. wurde so im Zeitraum April 2001 bis März 2004 ein dreijähriges BMI-Integrationsprojekt „zur kulturellen Integration von Spätaussiedlern und Ausländern“ installiert, das vom BAMF über Mittel des Bundesinnenministeriums bewilligt wurde. Die Bildung eines Netzwerks zur Integration junger Migranten stellte hierbei einen besonderen Arbeitsschwerpunkt  dar. 

Ebenfalls im Jahr 2001 erhielt die Griechische Gemeinde e.V. den Robert-Jungk-Preis 2001 des Städtenetzwerks NRW, der Robert-Junk-Stiftung Salzburg und des Ministeriums für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW in Höhe von 200.000 DM für ihr interkulturelles und zukunftsweisendes Engagement und wurde als „Zukunftswerkstatt“ ausgezeichnet.

Der Robert Jungk Preis Der Robert Jungk Preis
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Wettbewerb zur Integration von Zuwanderen
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Im August 2002 erhielt das AGORA Kulturzentrum für sein herausragendes Engagement bei der Integration einer anderen Zuwanderergruppe in der Bundesrepublik Deutschland (Spätaussiedler) einen Preis im Rahmen des „Wettbewerbs zur Integration von Zuwanderern“, einer Initiative des damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau in Kooperation mit der Bertelsmann Stiftung.
 

Zum 01.12.2003 übernahm die Griechische Gemeinde e.V. die Trägerschaft der Tageselternvermittlung und -qualifizierung der Stadt Castrop-Rauxel. Zum Aufgabengebiet gehört u.a. die Vermittlung von Tageseltern an Berufstätige, die Qualifizierung (Erste Hilfe-Kurse, gesetzliche Grundlagen, Seminarangebote) und der regelmäßige Erfahrungsaustausch. Die Teilzeitstelle wird über Mittel des Jugendamts der Stadt Castrop-Rauxel finanziert.

Aufgrund der überaus erfolgreichen Arbeit im ersten BMI-Projekt wurde im Zeitraum April 2004 bis März 2007 ein weiteres BMI-Integrationsprojekt für Spätaussiedler und Ausländer mit dem Titel „AGORAJugendkulturCLUB“ installiert. Entscheidend war hierbei die Fokussierung auf die Zielgruppe der jugendlichen Spätaussiedler und Ausländer und die intensive Nutzung von Multiplikatoren aus der Zielgruppe. Das Projekt wurde von der Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit (BAG-EJSA) als „Best Practice“-Projekt ausgezeichnet.

Zum 01.11.2005 startete ein zwölfmonatiges Qualifizierungsprojekt mit dem Titel „Crossmediale Grundlagen in Film, Funk & TV“ („Medienprojekt“), das von der Vestischen Arbeit Castrop-Rauxel finanziert wurde und das Ziel hatte, junge Menschen im ALG-II-Bezug in Ausbildung oder auf den Ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln. Aufgrund des großen Erfolgs des Projekts wurde das Projekt bereits zweimal verlängert. Am 15.08.2008 startete ein neues AGH-Projekt mit dem Titel „Medien in der Alltagswelt“, das thematisch ähnlich konzipiert wurde und ebenfalls das Ziel hat, junge Menschen bei der Arbeitsmarktintegration zu unterstützen. Zudem sollen Vereine, Selbsthilfegruppen und Initiativen bei der Öffentlichkeitsarbeit im medialen Bereich (Erstellen einer Homepage, eines Films, eines Plakats, eines Flyers usw.) unterstützt werden.

Zum 01.01.2006 übernahm die Griechische Gemeinde e.V. die Trägerschaft der offenen Kinder- und Jugendarbeit im Kulturzentrum AGORA. Zuvor lag die Trägerschaft dieses Arbeitsbereichs noch beim evangelischen Kirchenkreis Herne. Finanziert wird die Teilzeitstelle (19,25 Std.) zu 90 Prozent vom Jugendamt der Stadt Castrop-Rauxel und zu 10 Prozent von der Griechischen Gemeinde e.V.. Im Rahmen dieses Arbeitsbereichs wird seitdem unter der Leitung einer sozialpädagogischen Fachkraft ein variantenreiches Angebot für Kinder- und Jugendliche bereitgestellt (siehe Arbeitsbereiche: „Kinder- und Jugendarbeit“).

Zum 01.10.2006 wurde das Kulturzentrum AGORA in das Netzwerk der „Mehrgenerationenhäuser“des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen & Jugend für den Kreis Recklinghausen aufgenommen. Hierdurch erreichte das intergenerative Miteinander eine neue Qualität. Gruppenangebote wie eine Malwerkstatt, eine Holzwerkstatt, ein Lesekofferprojekt für Kindergartenkinder, ein Bandprojekt oder eine griechische Tanzgruppe seien an dieser Stelle exemplarisch benannt (siehe Arbeitsbereiche: „Mehrgenerationenhaeuser“).

Im November 2007 wurden zwei Mitglieder der Griechischen Gemeinde e.V. (Stella Ananiadou, sowie posthum der Jahr 2007 verstorbene ehemalige 1. Vorsitzende der Griechischen Gemeinde Spyros Papaspyrou) für ihr besonderes ehrenamtliches Engagement vom Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers mit dem Verdienstorden des Landes NRW ausgezeichnet.   

Marketing-Preis 2007
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Im Dezember 2007 erhielt das Kulturzentrum AGORA zudem den Marketingpreis der Stadt Castrop-Rauxel für ihr besonderes interkulturelles und intergeneratives Engagement.

Zum 01.01.2008 übernahm die Griechische Gemeinde e.V. die Trägerschaft der Integrationsagentur des Landes NRW (ehemals: Fachstelle für Migration und interkulturelle Arbeit). Zuvor lag die Trägerschaft dieses Arbeitsbereichs noch beim evangelischen Kirchenkreis Herne. Integrationsagenturen sollen Integrationschancen und -probleme erkennen, benennen und in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit Institutionen und Einrichtungen nach Lösungen suchen. Die Rahmenkonzeption des Landes NRW gibt dafür die drei Eckpunkte bürgerschaftliches Engagement von und für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, interkulturelle Öffnung und sozialraumorientierte Arbeit vor (siehe Arbeitsbereiche: „Integrationsagentur“).

Zum 01.02.2009 übernahm die Griechische Gemeinde e.V. die Trägerschaft eines Projekts zur Lesefrühförderung in Castrop-Rauxeler Ganztagsschulen mit dem Titel „Leseförderung für Castroper Kinder“. Ziel dieses Projekts ist zum einen die Erhöhung der Lesemotivation über den Einsatz von Büchern in der Herkunftssprache und zum anderen die Förderung der Lesekompetenz von Grundschülern über den Einsatz von Bücherkoffern. Finanziert wird es vom Jugendamt der Stadt Castrop-Rauxel (Bereich „Offene Ganztagsschule“), der Volksbank Henrichenburg, der Bürgerstiftung AGORA und der Griechischen Gemeinde e.V..